Steuerfachwirt Weiterbildung – lohnt sich der Aufwand wirklich?

Mehr Verantwortung, bessere Gehaltsaussichten, ein klarer nächster Schritt auf der Karriereleiter – der Steuerfachwirt klingt verlockend. Doch die Weiterbildung ist keine Kleinigkeit. Wer weiß, was auf ihn zukommt, trifft eine fundierte Entscheidung. Dieser Beitrag erklärt, was die Fortbildung beinhaltet, was sie kostet, wie lange sie dauert und was sich danach finanziell und beruflich verändert.

Was ist der Steuerfachwirt überhaupt?

Der Steuerfachwirt ist eine anerkannte Aufstiegsfortbildung im Steuerwesen. Die Prüfung wird bundesweit einheitlich durch die Steuerberaterkammern organisiert und abgenommen. Es handelt sich nicht um eine klassische Ausbildung, sondern um eine Fortbildung, die auf einer abgeschlossenen Berufsausbildung aufbaut.

In der Praxis positionieren sich Steuerfachwirte zwischen Steuerfachangestellten und Steuerberatern. Sie übernehmen anspruchsvollere Aufgaben, beraten Mandanten eigenverantwortlich zu steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen und fungieren als wichtige Stütze für den Steuerberater. Wer in einer Steuerkanzlei nicht nur ausführen, sondern mitdenken und mitgestalten möchte, findet in diesem Abschluss die passende Grundlage.

Wer sich die Unterschiede zwischen den beiden häufigsten Fortbildungswegen genauer anschaut, findet im Beitrag Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter eine detaillierte Gegenüberstellung. Beide Wege sind sinnvoll – aber sie zielen auf unterschiedliche Schwerpunkte ab.

Infografik Steuerfachwirt

Voraussetzungen: Wer kann die Weiterbildung machen?

Die Zulassung zur Steuerfachwirtprüfung ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Der klassische Weg führt über eine abgeschlossene Ausbildung als Steuerfachangestellte oder Steuerfachangestellter mit anschließender Berufspraxis. Aber auch Personen mit anderen kaufmännischen Ausbildungen – etwa als Bankkaufmann oder Rechtsanwaltsfachangestellter – können zur Prüfung zugelassen werden, wenn sie ausreichend einschlägige Berufserfahrung mitbringen.

Eine weitere Möglichkeit besteht für alle, die mindestens acht Jahre einschlägige Berufspraxis nachweisen können, auch ohne eine klassische Berufsausbildung im Steuerbereich. Die genauen Zulassungsvoraussetzungen können je nach Steuerberaterkammer leicht variieren. Eine direkte Anfrage bei der zuständigen Kammer am eigenen Wohnort ist daher immer der sicherste erste Schritt.

Wichtig zu wissen: Die Fortbildung setzt keine Hochschulzugangsberechtigung voraus. Das macht sie für viele Berufstätige zugänglich, die auf dem klassischen Ausbildungsweg ins Berufsleben eingestiegen sind und jetzt einen gezielten Aufstieg anstreben.

Inhalte der Steuerfachwirt Weiterbildung

Die Fortbildung deckt ein breites fachliches Spektrum ab. Im Mittelpunkt stehen Steuerrecht, Rechnungswesen und Betriebswirtschaftslehre. Konkret umfasst die schriftliche Prüfung vier Klausuren zu den Bereichen Abgabenordnung, Umsatzsteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie Bewertungsgesetz, außerdem Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer, dazu Buchführung und Rechnungslegung sowie Jahresabschlussanalyse, Kosten- und Leistungsrechnung und Finanzierung.

Ergänzend dazu werden Grundkenntnisse im Bürgerlichen Recht, im Handels- und Gesellschaftsrecht sowie im Arbeits- und Sozialversicherungsrecht vermittelt. Der Anforderungskatalog ist bundesweit einheitlich – die Prüfungsanforderungen sind anspruchsvoll, aber bei solider und strukturierter Vorbereitung gut zu bewältigen.

Nach der schriftlichen Prüfung folgt ein mündlicher Prüfungsteil. Wer die Prüfung nicht beim ersten Versuch besteht, hat die Möglichkeit zur Wiederholung. Einzelne bereits bestandene Prüfungsteile können dabei unter bestimmten Voraussetzungen angerechnet werden.

Dauer und Lernaufwand: Was kommt wirklich auf Teilnehmende zu?

Die Weiterbildung selbst ist flexibel gestaltbar. Wer sie in Vollzeit absolviert, kann den Vorbereitungskurs bereits in rund zwei Monaten abschließen. Deutlich verbreiteter ist jedoch der berufsbegleitende Weg – über Abend- und Wochenendkurse, Blockveranstaltungen oder ein Fernstudium.

Bei einem Fernstudium mit etwa acht bis zehn Stunden wöchentlichem Lernaufwand dauert die Vorbereitung in der Regel rund 18 Monate. Das ist eine realistische Einschätzung für Berufstätige, die parallel weiterarbeiten möchten und keine Auszeit nehmen können oder wollen.

Der Lernaufwand sollte nicht unterschätzt werden. Die Prüfungsinhalte sind umfangreich, und wer die Fortbildung neben einem Vollzeitjob absolviert, muss Abende und Wochenenden konsequent für das Lernen einplanen. Wer das von Anfang an realistisch bewertet und entsprechend plant, hat deutlich bessere Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss beim ersten Anlauf.

Kosten: Was muss man einkalkulieren?

Für einen Vorbereitungskurs sollte man Kosten zwischen 1.500 und 4.000 Euro einplanen – je nach Anbieter, Lernformat und Umfang des Kurses. Hinzu kommen die Prüfungsgebühren der jeweiligen Steuerberaterkammer sowie mögliche Kosten für Lernmaterialien, Bücher und Prüfungsvorbereitungsunterlagen.

Ein relevanter Aspekt ist die Frage der Kostenübernahme durch den Arbeitgeber. Viele Steuerkanzleien unterstützen ihre Mitarbeitenden bei dieser Fortbildung – entweder durch eine vollständige oder teilweise Übernahme der Kurskosten oder durch Stundenreduzierungen während der Lernphase bei gleichbleibendem Gehalt. Es lohnt sich, dieses Thema frühzeitig anzusprechen und eine klare Vereinbarung zu treffen, bevor man sich anmeldet.

Wer die Weiterbildung vollständig oder teilweise selbst finanziert, sollte außerdem prüfen, ob staatliche Förderung in Betracht kommt. Das Aufstiegs-BAföG – früher als Meister-BAföG bekannt – gilt ausdrücklich auch für Fortbildungen im kaufmännischen Bereich und kann einen erheblichen Teil der Kosten abdecken. Die Förderung besteht aus einem Zuschuss und einem zinsgünstigen Darlehen und ist einkommensunabhängig beantragbar.

Gehalt nach der Weiterbildung: Was ist realistisch?

Der finanzielle Unterschied ist deutlich spürbar. Steuerfachwirte erzielen ein durchschnittliches Jahresgehalt von rund 44.000 Euro. Das monatliche Bruttogehalt liegt je nach Kanzlei, Region und persönlicher Erfahrung typischerweise zwischen 2.100 und 3.000 Euro.

Zum Vergleich: Steuerfachangestellte ohne diese Fortbildung bewegen sich häufig im Bereich zwischen 1.500 und 2.300 Euro monatlich. Die Weiterbildung kann den Gehaltsrahmen also deutlich nach oben verschieben. Weitere Details zu Einkommensunterschieden nach Erfahrungsstufen bietet der Beitrag zu Gehalt Steuerfachangestellte.

Entscheidend ist aber nicht nur die reine Gehaltssteigerung. Mit dem Steuerfachwirt-Titel wächst auch die inhaltliche Verantwortung, die Selbstständigkeit in der täglichen Arbeit und die Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt insgesamt. Wer mit einer neuen Qualifikation aktiv auf Jobsuche geht, findet dazu auch im Beitrag Jobwechsel als Steuerfachangestellte hilfreiche Hinweise.

Karriereperspektiven: Wohin führt der Weg danach?

Der Steuerfachwirt ist kein Endpunkt, sondern ein Zwischenschritt auf einem längeren Berufsweg. Wer danach weiter aufsteigen möchte, hat mehrere konkrete Optionen. Mit sieben Jahren einschlägiger Berufspraxis ist die Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich. Viele Steuerfachwirte schlagen genau diesen Weg ein und nutzen den Fortbildungsabschluss als wichtige Etappe auf dem Weg in die Selbstständigkeit oder in eine leitende Position innerhalb einer Kanzlei.

Alternativ bieten sich Studiengänge in den Bereichen Betriebswirtschaft, Wirtschaftsrecht oder Finanzwirtschaft an – teils auch ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung, wenn der Fortbildungsabschluss als Zugangsvoraussetzung anerkannt wird. Die genauen Regelungen variieren je nach Hochschule und Bundesland.

Eine weitere Option ist die Selbstständigkeit als freie Finanz- oder Lohnbuchhalterin beziehungsweise freier Finanz- oder Lohnbuchhalter. Das ist zwar kein steuerberatender Beruf im rechtlichen Sinne, bietet aber für viele Steuerfachwirte eine attraktive Möglichkeit, unabhängig zu arbeiten und eigene Mandanten zu betreuen.

Steuerfachwirt Weiterbildung: Fazit und Einschätzung

Die Weiterbildung zum Steuerfachwirt ist eine ernsthafte Investition – in Zeit, Energie und Geld. Wer sie mit einem klaren Ziel angeht, bekommt dafür einen anerkannten Abschluss, ein spürbar besseres Gehalt und deutlich mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und innerhalb der eigenen Kanzlei.

Für Steuerfachangestellte, die langfristig aufsteigen wollen, ist der Steuerfachwirt eine der direktesten und sinnvollsten Optionen überhaupt. Die Hürde ist real, aber kein unüberwindliches Hindernis. Wer die Lernphase realistisch plant, frühzeitig mit dem Arbeitgeber spricht und gegebenenfalls Förderung beantragt, kann die Fortbildung gut meistern – auch neben dem Beruf.

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FAQ: Häufige Fragen zur Steuerfachwirt Weiterbildung

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Steuerfachwirt?

Das hängt vom gewählten Lernformat ab. Ein Vollzeitkurs dauert rund zwei Monate. Berufsbegleitend über Abend-, Wochenend- oder Fernkurse sind zwölf bis achtzehn Monate realistisch. Der genaue Zeitrahmen hängt vom Anbieter und vom persönlichen Lernaufwand pro Woche ab.

Was kostet die Weiterbildung zum Steuerfachwirt?

Vorbereitungskurse kosten je nach Anbieter und Format zwischen 1.500 und 4.000 Euro. Hinzu kommen die Prüfungsgebühren der Steuerberaterkammer sowie Ausgaben für Lernmaterial. Viele Kanzleien übernehmen die Kosten ganz oder teilweise. Ergänzend kann das Aufstiegs-BAföG als staatliche Förderung beantragt werden.

Wie viel verdient man als Steuerfachwirt?

Das Jahresgehalt liegt im Durchschnitt bei rund 44.000 Euro. Monatlich sind Bruttoverdienste zwischen 2.100 und 3.000 Euro üblich – abhängig von Region, Kanzleigröße und Erfahrung. Im Vergleich zu Steuerfachangestellten ohne Fortbildung ist das ein deutlicher Unterschied.

Kann man nach dem Steuerfachwirt noch Steuerberater werden?

Ja. Mit sieben Jahren einschlägiger Berufspraxis ist die Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich. Der Steuerfachwirt-Abschluss ist dabei eine anerkannte Qualifikation und ein sinnvoller Zwischenschritt auf diesem Karriereweg.