Flexibles Arbeiten hat in Steuerkanzleien längst Einzug gehalten – aber wie weit geht das Angebot wirklich? Wer als Steuerfachangestellte oder Steuerfachangestellter auf Jobsuche ist, stößt auf sehr unterschiedliche Modelle: von einzelnen Homeoffice-Tagen bis hin zur vollständig remote organisierten Kanzlei. Dieser Beitrag zeigt, was heute realistisch möglich ist, welche Voraussetzungen Kanzleien stellen und worauf es bei der Jobsuche ankommt.
Homeoffice in Steuerkanzleien: Von Ausnahme zur Normalität
Noch vor einigen Jahren war mobiles Arbeiten in der Steuerberatung die Ausnahme. Heute ist es in vielen Kanzleien fester Bestandteil der Arbeitskultur – nicht zuletzt, weil der Fachkräftemangel den Druck erhöht hat, attraktive Bedingungen zu schaffen.
Besonders in mittelständischen und digitalisierten Kanzleien hat sich ein hybrides Modell etabliert: zwei bis drei Tage Homeoffice pro Woche, kombiniert mit Präsenztagen im Büro. So bleibt der Kontakt zum Team und zu Mandanten erhalten, während gleichzeitig mehr Flexibilität im Alltag entsteht.
Daneben gibt es eine wachsende Zahl von Kanzleien, die vollständig auf Remote-Arbeit setzen. Mandantengespräche laufen digital, die gesamte Kommunikation ist cloudbasiert. Für Steuerfachangestellte bedeutet das: standortunabhängiges Arbeiten ist möglich – auch aus anderen Bundesländern oder Regionen mit niedrigerem Gehaltsniveau, für Kanzleien in Ballungsräumen.

Welche Homeoffice-Modelle Kanzleien anbieten
In der Praxis lassen sich drei gängige Modelle unterscheiden, die Kanzleien ihren Mitarbeitenden anbieten:
Hybrides Modell (2–3 Tage Homeoffice): Das häufigste Modell in der Branche. Mitarbeitende sind an festen Tagen im Büro präsent, arbeiten die restliche Zeit von zuhause. Vorteil: Teamkontakt bleibt erhalten, Flexibilität im Alltag steigt.
Überwiegend remote (4 Tage Homeoffice): Wird vor allem von größeren, digitalen Kanzleien angeboten. Präsenztage dienen hauptsächlich für Teambesprechungen oder Mandantentermine.
100 % Remote: Vollständig ortsunabhängiges Arbeiten. Mandantenkommunikation läuft digital, Unterlagen werden über DATEV oder ähnliche Systeme ausgetauscht. Dieses Modell setzt eine klare digitale Infrastruktur voraus und ist nicht in jeder Kanzlei umsetzbar.
Wichtig zu wissen: Welches Modell angeboten wird, hängt stark vom Digitalisierungsgrad der Kanzlei ab. Eine Kanzlei, die noch mit Papierbelegen arbeitet, wird kein vollständiges Homeoffice anbieten können. Kanzleien mit DATEV-Integration, digitaler Mandantenakte und Cloud-Kommunikation sind hier deutlich weiter.
Was Kanzleien als Voraussetzung erwarten
Homeoffice in der Steuerberatung ist keine Einbahnstraße. Kanzleien, die flexible Modelle anbieten, haben in der Regel klare Erwartungen an ihre Mitarbeitenden:
Technische Ausstattung: Ein stabiler Internetanschluss, ein geeigneter Arbeitsplatz zuhause und die Fähigkeit, mit digitalen Tools wie DATEV, Outlook oder Videokonferenzsystemen sicher umzugehen, sind häufig Voraussetzung.
Selbstständiges Arbeiten: Wer im Homeoffice arbeitet, muss Aufgaben eigenständig priorisieren und strukturieren können. Enge Begleitung durch Vorgesetzte ist auf Distanz nur begrenzt möglich.
Erreichbarkeit und Kommunikation: Auch im Homeoffice gelten Kernarbeitszeiten. Rückmeldungen auf Mandantenanfragen müssen verlässlich erfolgen – und das zu den vereinbarten Zeiten.
Datenschutz: Steuerliche Unterlagen sind sensibel. Kanzleien erwarten, dass der Heimarbeitsplatz so eingerichtet ist, dass keine unbefugten Personen Einblick in Mandantendaten erhalten.
Homeoffice als Gehaltsthema: Was verhandelbar ist
Homeoffice ist heute nicht nur ein Komfortmerkmal – es hat auch eine wirtschaftliche Seite. Wer standortunabhängig für eine Kanzlei in einer Großstadt arbeitet, kann vom dortigen Gehaltsniveau profitieren, selbst wenn der eigene Wohnort in einer Region mit niedrigeren Löhnen liegt.
Grundsätzlich gilt: Das Gehalt von Steuerfachangestellten im Homeoffice orientiert sich am Standort und der Größe der Kanzlei – nicht am Wohnort der Fachkraft. Das schafft Spielraum, der bei der Jobsuche aktiv genutzt werden kann.
Wer einen neuen Job sucht und Homeoffice als wichtigen Faktor einschätzt, sollte diesen Punkt gezielt ansprechen – am besten mit einer klaren Vorstellung davon, welches Modell gewünscht wird. Ein undifferenziertes „ich hätte gerne Homeoffice“ ist weniger überzeugend als der Hinweis, dass man Erfahrung mit remote Arbeit hat und selbstständiges Arbeiten gewohnt ist.
Mehr zum Thema Gehalt und Verhandlung gibt es im Beitrag Gehalt Steuerfachangestellte – aktuelle Übersicht.
Homeoffice und Jobwechsel: Worauf es bei der Suche ankommt
Wer gezielt nach einer Stelle mit Homeoffice-Option sucht, sollte bei der Recherche auf einige Signale achten:
DATEV-Zertifizierung: Kanzleien, die als „Digitale Kanzlei“ von DATEV ausgezeichnet sind, haben in der Regel eine moderne digitale Infrastruktur – und damit häufig auch eine klare Homeoffice-Kultur.
Stellenanzeigen lesen: Begriffe wie „hybrides Arbeiten“, „Homeoffice möglich“, „remote“ oder „100 % Homeoffice“ geben erste Orientierung. Allerdings lohnt es sich, im Bewerbungsgespräch konkret nachzufragen, was das im Alltag bedeutet – wie viele Tage, welche Regelungen, welche Erwartungen.
Kanzleigröße beachten: Größere Kanzleien und Steuerberatungsgesellschaften haben oft strukturiertere Homeoffice-Regelungen als kleinere Einzelkanzleien. Letztere entscheiden häufig individueller und persönlicher.
Wer einen Jobwechsel in Betracht zieht, findet im Beitrag Steuerfachangestellte Jobwechsel – Schritt für Schritt weitere Orientierung für den nächsten Karriereschritt.
Direktvermittlung als Alternative zur Eigensuche
Die Suche nach einer passenden Stelle mit Homeoffice-Option kostet Zeit – vor allem dann, wenn nicht klar ist, welche Kanzleien in der eigenen Region oder bundesweit entsprechende Modelle anbieten. Eine Direktvermittlung kann hier den Prozess deutlich abkürzen.
Personalvermittler, die auf das Steuerwesen spezialisiert sind, kennen die Kanzleien und deren Arbeitsmodelle oft aus direktem Kontakt – und können gezielt passende Stellen vorschlagen, ohne dass Fachkräfte selbst hundert Stellenanzeigen durchsuchen müssen. Mehr dazu im Beitrag Direktvermittlung Steuerfachangestellte – so funktioniert es.
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Häufige Fragen zum Thema Steuerfachangestellte Homeoffice
Wie viele Homeoffice-Tage sind in Steuerkanzleien üblich?
Das häufigste Modell sind zwei bis drei Homeoffice-Tage pro Woche, kombiniert mit Präsenztagen. Es gibt aber auch Kanzleien, die vollständig remote arbeiten. Wie viele Tage tatsächlich möglich sind, hängt vom Digitalisierungsgrad und der internen Kultur der Kanzlei ab.
Ist das Gehalt im Homeoffice niedriger als im Büro?
Nein, das Gehalt orientiert sich am Standort der Kanzlei und an der Qualifikation – nicht daran, ob jemand im Büro oder zuhause arbeitet. Wer für eine Kanzlei in einer Großstadt remote arbeitet, kann vom dortigen Gehaltsniveau profitieren.
Welche technischen Voraussetzungen brauche ich für Homeoffice in der Kanzlei?
In der Regel werden ein stabiler Internetanschluss, ein geeigneter Heimarbeitsplatz und Grundkenntnisse in den verwendeten Programmen – oft DATEV – vorausgesetzt. Viele Kanzleien stellen die notwendige Hardware zur Verfügung.
Kann ich als Steuerfachangestellte auch vollständig remote für eine Kanzlei in einer anderen Stadt arbeiten?
Ja, das ist möglich – vorausgesetzt, die Kanzlei bietet ein entsprechendes Modell an. Vollständig remote arbeitende Kanzleien gibt es, und die Zahl wächst. Bei der Jobsuche lohnt es sich, gezielt nach Stellen mit expliziter Remote-Option zu suchen.